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Neue Beschwerde

Eine Idee entgeistert Millionen

Der Media-Markt ist groß, sein Ver­halten gegen­über Kunden aber selten gesund. Ein Besuch auf der Kranken­station eines Kon­zerns mit Blick auf die Beschwerden.

IBDB-Redaktion

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Gesetze und Regeln, so scheint es, gel­ten nicht für den Media-Markt. Das Unter­nehmen aus Ingol­stadt ist seit der Grün­dung 1979 zum nun­mehr größten Elek­tro-Händ­ler in Europa ge­wachen, wie es stolz behaup­tet. Beim Kunden­ser­vice dürfte es aber Schluss­licht geblie­ben sein: Seit Jah­ren kla­gen dessen Kun­den über ruppige Ver­käufer, mani­pu­lierte Preise und ver­wei­gerte Ver­braucher­rechte. Auch im Forum von ich­bin­doch­bloed.de.

Mit einer aggres­siven Werbe­stra­tegie ist es dem Unter­nehmen aus Ingol­stadt in den ver­gan­genen Jahr­zehnten gelun­gen, zum Markt­führer im Elektro­fach­handel auf­zu­steigen. Mehr als 250 Fili­alen und 14.100 Mit­arbei­ter zählt es allein in Deutsch­land. Die Mutter­gesell­schaft Ceconomy AG, zu der auch die Saturn-Märkte gehören, er­zielte im Finanz­jahr 2016/17 einen Jahres­umsatz von 22,2 Mrd. Euro.

Eine brüllen­de Wer­bung und Filia­len, die wie Bau­stellen aus­sehen, täuschen dem Kun­den das Bild eines Billig­heimers mit güns­tigen Prei­sen vor. Tat­säch­lich ist der Media-Markt sel­ten billi­ger als Wett­bewer­ber im statio­nären Han­del. Er ist in der Regel sogar deut­lich teu­rer als Online­Händler. Viel­mehr ver­drängt er durch schiere Größe und die daraus resul­tierende Markt­macht klei­nere Wett­bewerber und schädigt somit lang­fristig den Wett­bewerb vor Ort zum Nach­teil der Kunden.

Wie sich der Media-Markt seine Kunden wohl vorstellt: dümmlich (Bild aus einem Werbespot).

Immer wieder fällt der Media-Markt durch schlech­ten Kunden­service und Gesetzes­ver­stöße auf. Etwa, wenn Kun­den defekte Waren beim Media-Markt rekla­mieren wollen. Nach Anga­ben der Ver­braucher­zentrale Bundes­verband von 2012 verweise der Elek­tronik-Händler in mehr als 80 Pro­zent der Rekla­mationen an den Her­steller – obwohl der gar nicht zustän­dig ist. Hilft das nicht, bestritten die Media-Markt-Mitar­beiter den Defekt oder erklär­ten die „Umtausch-Frist“ für abge­laufen. Damit führten sie Kunden gezielt in die Irre: Denn tat­säch­lich fordere der Kunde eine Gewähr­leistung aus Sach­mängel­haftung, nicht aber einem Um­tausch wegen Nicht­gefallens. Ihre tat­säch­lichen Rechte als Kunde erklären wir hier.

Die regel­mäßigen Klagen von Media-Markt-Kunden in diesem Forum legen nahe, dass sich an der Praxis des Unter­nehmens bis heute wenig geändert hat.

Gerne zieht der Media-Markt Kunden auch mit Lock­vogel-Ange­boten in seine Filialen. Prak­tisch sind die bewor­benen Geräte jedoch nicht ver­fügbar - selbst kurz nach Laden­öffnung heißt es nur: „Aus­verkauft!“ Das hält das Unter­nehmen aber nicht davon ab, auch am Abend mit den längst aus­ver­kauften Waren zu werben. Dabei ist die Recht­sprechung ein­deutig: Die bewor­benen Waren müssen wenig­stens zwei Tage vor­rätig sein. Die Ver­braucher­zentrale NRW hat daher die Aktion „Stopp-den-Lockvogel“ gestartet.

Die Media­Saturn-Holding, in der die Mar­ken Media-Markt und Saturn gebün­delt sind, gerät immer wieder mit dem Gesetz in Kon­flikt. Spek­taku­lärster Fall war der Miss­brauch der Markt­macht bei PCs. So hatte das Unter­nehmen zwi­schen 1997 und 2008 seine Posi­tion als Euro­pas größter Elek­tronik-Händler aus­genutzt, um gemein­sam mit dem Pro­zessor-Her­steller Intel den klei­neren Intel-Kon­kurrenten AMD zu schä­digen: Über Jahre war in den Filialen von Media-Markt und Saturn kein PC zu kaufen, der einen Pro­zessor von AMD ent­hielt. „Zufall“, ver­teidigte sich die Media­Saturn-Holding über Jahre.

Erst Recher­chen der Financial Times Deutschland und Unter­suchungen der EU-Kommis­sion erbrach­ten die Beweise: Intel und MediaSaturn hatten eine ille­gale Ver­ein­barung, ihre markt­dominier­ende Stel­lung aus­zunutzen, um Wett­bewerber zu schä­digen und aus dem Markt zu drängen. Am Ende des jahre­langen Ver­fahrens wurde Intel zu einer Rekord­strafe von 1,06 Milliarden Euro verurteilt.

Die Strafe ist inzwi­schen rechts­kräftig, es wurde im Juni 2014 vom Gericht der Euro­päischen Union bestätigt. Der Media-Markt blieb in diesem Ver­fahren nur dank einer Kron­zeugen-Regelung von einer Straf­zahlung ver­schont. Weiter­führende Infor­mationen zu diesem Thema:

Schöne Werbewelt: Der Schauspieler lächelt für Geld. Kunden haben dagegen wenig zu lachen beim Media-Markt.

Ärger hat das Unter­nehmen regel­mäßig auch mit seinen Mit­arbei­tern. Oder besser: die Mit­arbeiter mit ihrem Arbeit­geber. Denn die Media­Saturn-Holding hält Betriebs­räte für eine fatale Er­findung - und be­hindert deren Wahl und Arbeit so gut sie nur kann. Legen­där ist der Fall der Media-Markt-Filiale im Euro­industrie-Park in München. Mit­arbei­tern, die sich für die Wahl eines Betriebs­rats aus­gesprochen hatten, wurde gekün­digt, anderen wurde mit einem „Karriere­ende“ gedroht. Sogar die Wahl selbst wurde von der Geschäfts­führung gestört - und anschließend der Wahl­vorstand vor Gericht verklagt. Auch wenn sich der Media-Markt juris­tisch nicht durch­setzen kann, hat die Ein­schüch­terungs­strategie doch Erfolg: So gibt es bis heute in den mehr als 250 MM-Filialen des Konzerns nur eine Hand­voll Betriebs­räte. Kaum ein anderes Unter­nehmen dieser Größe hat sowenige Arbeit­nehmer­vertreter.